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Luettgau

Berichte von Zeitzeugen III

Eberhard Lüttgau, Isingerode:

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Das eine mal haben wir mit einem Mitarbeiter der Mühle in Isingerode Ferkel nach Göddeckenrode gebracht. Da wir dort keine Sauen hatten, wurden die Ferkel bei einem Viehhändler in Insingerode gekauft. Dann haben wir sie in Papiersäcke gesteckt und sind am Hang entlang in Richtung Mühle nach Göddeckenrode. Auf dem Weg dahin haben die Ferkel gepinkelt und die Papiersäcke sind nass geworden. Durch das Aufweichen fielen dann plötzlich die Ferkel

aus den Säcken. Zum Glück konnten die Ferkel mit der plötzlichen Freiheit nichts anfangen und sind nicht weggelaufen. Wir konnten sie dann schnell wieder einfangen.

Ein anderes Mal haben wir mehrere Ferkel auf einem Wagen transportiert. Damit sie nicht entdeckt werden, haben wir ne Ladung Stroh über sie ausgebreitet. Bei der Kontrolle fingen sie an zu quieken. Natürlich haben die Ost- Grenzer sie entdeckt. Wir mussten zur Kommandantur, die in Göddeckenrode in der Villa war. Das war noch zur Zeit als die Russen in Göddeckenrode waren. Der russische Kommandant wußte nicht so recht, was er machen sollte. Also bekamen wir die Ferkel wieder mit, aber die Russen kamen jeden Tag in den Stall und zählten die Ferkel nach. Das ging eine ganze Zeitlang so. Aber dadurch, das die Russen immer so ungefähr nach vier Wochen versetzt wurden, haben sie das wohl irgendwie nicht weitergegeben. Jedenfalls hörte dann irgendwann die Zählerei auf.

*

Die Post kam ja immer zur Mühle in Isingerode. Und ich hatte für die Ostzone und für die britische Zone jeweils einen Ausweis. Immer wenn ich über die Grenze wechselte, dann steckte ich den Ausweis den ich nicht brauchte,  in die innere Tasche meiner Jacke. Einmal war ich mit einem Mädchen aus Isingerode und einem Stapel Post unterwegs zur Mühle in Göddeckenrode. An der Grenze steckte ich die Ausweise um. In diesem Moment springt ein britischer Soldat aus dem Gebüsch und sagt zu mir: “Du Spion”. Er hatte das wegstecken und auswechseln der Ausweise gesehen. Wir mussten die Arme hochheben und er begann uns zu durchsuchen. Dabei entdeckte er natürlich die gesamte Post. Wir mussten mit ihm nach Isingerode zurücklaufen. Dort kam am Iltschenkrug (noch heute befindet sich dort die Gaststätte) so ein komisches Fahrzeug. Unten hatte es Ketten, und oben war es ganz flach. Auf jeden Fall brachte es uns zur englischen Kommandantur. Die befand sich im Schloss in Hornburg. Ein englischer Offizier begann uns zu verhören. Da klopfte es an der Tür und eine junge Frau trat ein. Es war wohl die Freundin des englischen Offiziers. Mit einem Mal war sein Interesse an uns weg. Er befahl dem Soldaten uns wieder zurück nach Isingerode zu bringen.

Vielen Dank an Herrn Lüttgau für das Gespräch