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1989. Am Wochenende, Samstag den 30. September und Sonntag den 01.Oktober hatten die Hilfsorganisationen des Landkreises Helmstedt ihre Katastrophenschutzübung. Meine Aufgabe war es, mit meinem Sanitätszug einen Verbandplatz zu errichten. Am Samstag war das Wetter tagsüber ganz gut. Gegen Abend wurde es schlechter. Der Verbandplatz stand unter Wasser, es war eine Schlammschlacht geworden. Am nächsten Morgen sollte die Übung weitergehen, dazu kam es aber nicht mehr. Der Sonderzug mit den Flüchtlingen aus der bundesdeutschen Botschaft in Warschau sollte an dem Tag abends in Helmstedt ankommen. Die Übung wurde abgebrochen. Während etwa zwei Drittel der Helfer meines Sanitätszuges den Verbandplatz abbauten, fuhr ich mit anderen Helfern nach Helmstedt um dort eine Schule für Flüchtlinge einzurichten. |
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Auftrag: Kurzzeitige (wenige Stunden) Unterbringung und Versorgung eines Eisenbahnzuges voller Menschen (die genaue Zahl weiß ich nicht mehr). Versorgung mit Essen, Waschmöglichkeiten, Schlafmöglichkeiten, Bekleidung, Hygieneartikel usw. |
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Nachdem wir die Schule für unsere Zwecke “umgerüstet” hatten, standen wir auf dem Schulhof und warteten wie es weitergehen sollte. An der südlichen Grenze der Schule, ca. 100m von uns entfernt, befindet sich das Gleis, auf dem die Züge aus der damaligen DDR in den Bahnhof Helmstedt einfuhren. Vom Schulhof aus konnten wir den Bahndamm sehr gut sehen. Der Zug hatte schon Verspätung, keiner wußte, wann er kommt. Die Zeit schien an dem Tag länger zu brauchen. Wie es so ist, wenn man auf etwas wartet. Als es bereits dunkel war, kam der Zug. Zuerst hörten wir ein enorm lautes schreien und jubeln. Es wurde immer lauter. Jeden Moment mußte der Zug in Sichtweite sein. Ich kann mich noch erinnern, dass es sehr lange dauerte. Die Lokomotive hörten wir erst, kurz bevor wir sie sahen. Dann fuhr der Zug an uns vorbei. Aus den Fenstern hingen die Menschen. Der Jubel war sehr laut. Kurz danach fuhr der Zug in den Bahnhof ein und die Lautstärke wurde geringer. |
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Am Bahnhof wurden die Menschen in Busse geleitet, die sie zu uns in die Schule brachten. Inzwischen hatten wir uns in der Schule verteilt, um die Flüchtlinge zu betreuen. Ich selbst stand am Haupteingang. So habe ich jeden der Menschen gesehen. Sie hatten erschöpfte, aber glückliche Gesichter. Wie lange die Menschen in der Schule blieben, weiß ich nicht mehr. Ebensowenig weiß ich, wann ich in der Nacht nach Hause kam. Aber nach wenigen Stunden wurden die Flüchtlinge von Bussen abgeholt und auf mehrere Städte verteilt. |